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Informationen für Institutionen

Warum sind Schutzkonzepte wichtig für Institutionen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten?

Institutionen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, stehen vor der Herausforderung, diesen jungen Menschen geschützte Räume anzubieten. Schulen, Kitas, Kirchengemeinden, Internate, Sportvereine, stationäre Einrichtungen der Jugendhilfe, Krankenhäuser und andere Institutionen sollen Bedingungen schaffen, die das Risiko senken, zum Tatort von sexueller Gewalt zu werden. Zudem sollen Mädchen und Jungen in der Institution Hilfe durch kompetente Ansprechpersonen finden, wenn ihnen dort oder andernorts – beispielsweise im familiären Umfeld – sexuelle Gewalt angetan wird.

Wer ist für die Erstellung eines solchen Schutzkonzeptes zuständig?

Die Entwicklung und Umsetzung von Schutzkonzepten ist Aufgabe der Leitung einer Institution. Wichtig ist jedoch, dass die Leitung nicht allein die treibende Kraft bleibt, sondern dass es ihr frühzeitig gelingt, alle Mitarbeitenden zu motivieren und die identitätsstiftende Kraft von Prävention zu nutzen. Aus diesem Grund sollte die Entscheidung für den präventiven Kinderschutz auch im Leitbild oder der Satzung der Institution formuliert werden. Der Runde Tisch Sexueller Kindesmissbrauch hat in seinem Abschlussbericht Leitlinien formuliert, die einen Handlungsrahmen vorgeben, den Institutionen und Träger im Rahmen eines Qualitätsentwicklungsprozesses ihren spezifischen Gegebenheiten entsprechend füllen und anpassen sollen. Schutzkonzepte sind dabei ein zentraler Baustein.

Wer hilft bei der Ausarbeitung eines Schutzkonzeptes?

Eine Institution, die ein Schutzkonzept erstellt, sollte sich von Beginn an von einer spezialisierten Fachberatungsstelle begleiten lassen. Zum einen benötigt dieser Prozess Fachkompetenz und Erfahrung, zum anderen einen unabhängigen Blick von außen, um Betriebsblindheit und die damit verbundenen Auslassungen zu vermeiden, aber auch um Dynamiken innerhalb der Institution zu erkennen, die im Konzept berücksichtigt werden sollten. Gerade für die Erarbeitung eines Notfallplans ist fachliche Unterstützung durch externe Expertinnen oder Experten unverzichtbar. Der Notfallplan ist ein wichtiger Bestandteil eines Schutzkonzeptes und regelt das Vorgehen bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch innerhalb, aber auch außerhalb der Institution und trägt dazu bei, eine solche Belastungssituation zu meistern. § 8 b Absatz 2 Sozialgesetzbuch (SGB) VIII gibt Institutionen einen Beratungsanspruch gegenüber dem überörtlichen Träger der Jugendhilfe. Eine Beratungsstelle in der Nähe finden Sie hier.

Was ist der erste Schritt bei der Erstellung eines Schutzkonzeptes?

Basis eines Schutzkonzeptes bildet die sogenannte Risikoanalyse, die offenlegt, wo die „verletzlichen“ Stellen einer Institution liegen – sei es im baulichen Bereich, im Umgang mit Nähe und Distanz, sei es im Einstellungsverfahren. Die Ergebnisse dieser Analyse zeigen, welche konzeptionellen und strukturellen Verbesserungen im Sinne des Kinderschutzes erforderlich sind. Bei der Entwicklung des Schutzkonzeptes sollten Mädchen und Jungen Möglichkeiten zur Beteiligung erhalten. Vor allem im Rahmen der Risikoanalyse sind ihre Erfahrungen, Einschätzungen und Vorstellungen unverzichtbar. „Schutzkonzepte sind letztlich nur dann wirklich alltagstauglich, wenn sie mit denen besprochen werden, an die sie sich richten“, heißt es im Abschlussbericht des Runden Tisches.

Auch Fragen der Aufarbeitung von Fällen sexueller Gewalt sowie von Fällen falscher Verdächtigung gegen Mitarbeitende sollten in einem Schutzkonzept Raum finden. Die Analyse der Bedingungen, die einen Vorfall ermöglicht haben, ist zugleich Bestandteil der Risikoanalyse und erlaubt Prävention für die Zukunft.

Wie können die Mitarbeitenden einbezogen werden?

Alle haupt- und ehrenamtlich Beschäftigten der Institution benötigen ein Grundlagenwissen und sollten deshalb Fortbildungen erhalten. Das ist wichtig, damit sie die Relevanz des Themas durchdringen, Sensibilität entwickeln und die Entwicklung des Schutzkonzeptes aktiv mittragen. Dabei sollte die Intensität der Fortbildungen daran orientiert werden, wie viel Kontakt der oder die Einzelne zu Kindern und Jugendlichen in der Institution hat.

Ein Verhaltenskodex, der den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Orientierungsrahmen für das eigene Verhalten im Umgang mit Mädchen und Jungen gibt, sollte gemeinsam diskutiert und entwickelt werden. Ein Verhaltenskodex, der den „verletzlichen“ Stellen der Institution, aber auch ihren konkreten Arbeitsbedingungen Rechnung trägt, enthält Regeln, an die alle Mitarbeitenden gebunden sind. Das hilft dabei, den Schutz der Mädchen und Jungen zu gewährleisten, aber auch sich selbst vor falschen Verdächtigungen zu schützen.

Der Vorteil des Verhaltenskodex besteht darin, dass bei Verstößen nicht die Motivation des Verhaltens geklärt werden muss, sondern der Regelverstoß im Fokus steht. Die Verletzung des Verhaltenskodex – und nicht der nur schwer zu erbringende Beweis, dass missbräuchliche Absichten hinter dem Verhalten stehen – zieht entsprechende arbeitsrechtliche Schritte wie Ermahnung, Abmahnung oder Kündigung nach sich. Es sollte eine Kultur der Fehlerfreundlichkeit herrschen: Regelverstöße können vorkommen, verlangen aber einen transparenten Umgang, wie er idealerweise im Kodex beschrieben ist. Transparenz bedeutet Prävention, denn Täter oder Täterinnen, die Regeln verletzen, setzen alles daran, dass darüber nicht gesprochen wird. Weiter enthält der Verhaltenskodex die Verpflichtung, Verstöße von Kollegen oder Kolleginnen der Leitung mitzuteilen, damit es nicht von Freundschaft und Loyalität abhängt, ob Fehlverhalten benannt wird.

Schon im Vorstellungsgespräch sollte sexueller Kindesmissbrauch thematisiert werden. Der Verhaltenskodex bietet dafür einen guten Anlass. Die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses ist nach dem neuen Kinderschutzgesetz verpflichtend für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der freien Jugendhilfe. Das erweiterte Führungszeugnis sollte durch Selbstverpflichtung in allen Institutionen des Bildungs-, Erziehungs-, Gesundheits- und Sozialsektors, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, verlangt werden. Ob dazu verpflichtet oder freiwillig: Das erweiterte Führungszeugnis sollte von der Leitung nicht als lästige Formalie betrachtet werden. Der offensive Umgang mit diesem Instrument des Kinderschutzes hat eine präventive Signalwirkung und dient auch der Abschreckung – ebenso wie die oben erwähnte Leitbildentscheidung und der Verhaltenskodex. Alle diese Maßnahmen zeigen, dass Tätern beziehungsweise Täterinnen und ihren Strategien kein Raum gewährt wird.

Wie wird dafür gesorgt, dass sich Kinder und Jugendliche jemandem anvertrauen können?

Es müssen Beschwerdeverfahren eingeführt werden, die jedes Kind und jeder Jugendliche nutzen kann. Dazu gehört auch das Benennen interner und externer Ansprechpersonen, denen sich Mädchen und Jungen bei Sorgen und Gefährdungslagen anvertrauen können. Ein Schutzkonzept umfasst zudem Informations- und Präventionsangebote gegen sexuelle Gewalt für Kinder und Jugendliche. Hierbei ist besonders auf geschlechts- und zielgruppenspezifische Angebote zu achten.

Wie werden die Eltern in die Prävention einbezogen?

Eltern sollten durch Informationsveranstaltungen und Workshops für das Anliegen der Prävention gewonnen werden, und zwar sowohl für die Vorgehensweise der Institution als auch für die eigene präventive Erziehungshaltung.

Traumapädagogik – Gute Voraussetzungen für Schutzkonzepte

Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, aber insbesondere stationäre Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, die mit traumapädagogischen Konzepten arbeiten, bringen gute Voraussetzungen für die Entwicklung von Schutzkonzepten gegen sexuelle Gewalt mit. Die Traumapädagogik berücksichtigt Erkenntnisse aus der Traumaforschung in pädagogischen Ansätzen und bemüht sich um die soziale und emotionale Stabilisierung von traumatisierten Kindern und Jugendlichen, um ihr Vertrauen zu sich selbst und zu anderen. Die Basis dieser Arbeit sind institutionelle Strukturen und pädagogische Grundhaltungen, die von Gewaltfreiheit, Partizipation, Wertschätzung und Transparenz geprägt sind. Damit gibt es Überschneidungen von traumapädagogischen Ansätzen und Präventionsansätzen gegen sexuelle Gewalt, von denen die Entwicklung von Schutzkonzepten für Institutionen profitieren kann.

Orientierung bieten die traumapädagogischen Standards der Bundesarbeitsgemeinschaft Traumapädagogik.

http://www.bag-traumapaedagogik.de/index.php/publikationen.html

„Kein Raum für Missbrauch" – Die Kampagne des Unabhängigen Beauftragten

Im Januar 2013 wurde die Kampagne „Kein Raum für Missbrauch“ vom Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs gestartet. Sie hat drei wesentliche Ziele:

  1. Die flächendeckende Einführung beziehungsweise Weiterentwicklung von Schutzkonzepten gegen sexuellen Missbrauch in allen Institutionen, denen Mädchen und Jungen anvertraut sind.
  2. Eine stärkere Sensibilisierung der Gesellschaft für das Thema und die Gefahren des sexuellen Missbrauchs.
  3. Die Erleichterung der Kommunikation über sexuellen Missbrauch – ohne falsche Scham, Tabus und Peinlichkeit.

„Kein Raum für Missbrauch“ wendet sich gezielt

  • an alle hauptberuflich und ehrenamtlich Tätigen, denen Kinder und Jugendliche anvertraut sind.
  • an alle Einrichtungen wie zum Beispiel Schulen, Kitas, Sportvereine, Kirchengemeinden;
  • an die Mütter und Väter von 13 Millionen Mädchen und Jungen bundesweit.

Jede und jeder kann sich öffentlich zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt bekennen. Machen Sie mit! Setzen auch Sie ein sichtbares Zeichen gegen sexuellen Kindesmissbrauch.

Weitere Informationen hierzu erhalten Sie unter: www.kein-raum-fuer-missbrauch.de

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