Hilfetelefon Sexueller Missbrauch:

details
Telefonnummer:

0800-22 55 530 (kostenfrei & anonym)

details Sprechzeiten:Mo, Mi, Fr: 9.00 bis 14.00 UhrDi, Do: 15.00 bis 20.00 Uhr(nicht an Feiertagen und nicht am 24. und 31.12.)
Die Anrufe werden anonym entgegen-genommen. Dabei bleiben sowohl die Anrufenden als auch das Team des Hilfetelefon Sexueller Missbrauch anonym. Der Datenschutz ist zu jedem Zeitpunkt garantiert.
magnifier icon

Hilfe findenarrow

Beratungsstellen, Notdienste, Therapeutinnen und Therapeuten sowie weitere Fachleute, die Ihre Fragen zu sexuellem Missbrauch beantworten, finden Sie hier:

Zurück zur Übersicht Schutz und Vorbeugung

Themen zur Orientierung für das eigene Handeln

Es gibt keinen absoluten Schutz

Präventive Erziehung verlangt Besonnenheit und realistische Ziele: Sie kann Risiken verringern, aber keinen absoluten Schutz garantieren. Prävention kann auch dazu beitragen, Missbrauch frühzeitig zu beenden, bevor schwere seelische Verletzungen entstehen. Und sie kann helfen, seelische Verletzungen schneller verheilen zu lassen.

Dein Körper gehört dir

Mädchen und Jungen jeden Alters dürfen über ihren Körper selbst bestimmen und sollten erleben, dass andere ihn nicht einfach ungefragt anfassen dürfen – auch nicht, wenn es „nur nett gemeint“ ist. Das Recht auf körperliche Selbstbestimmung verlangt von Eltern, dass sie ihr Kind zu Fortschritten in der Selbstständigkeit ermutigen und selbst respektvoll und gewaltfrei mit dem Körper ihres Kindes umgehen. Mütter und Väter sollten die vielen Gelegenheiten nutzen, ihre Kinder zu unterstützen, unerwünschte Küsse, Zärtlichkeiten oder andere Berührungen abzuwehren, denn oft sind Kinder damit überfordert, diese Grenzverletzungen allein zurückzuweisen. Mädchen und Jungen sollen ihren Körper als wertvoll, schön und liebenswert begreifen, ihn entdecken und erfahren dürfen. Eltern und pädagogische Fachkräfte sollten darauf achten, dass abwertende Bemerkungen über den Körper anderer in der Familie und in Gruppen nicht zum normalen Umgangston gehören.

Mit Kindern und Jugendlichen über Sexualität sprechen

Kinder brauchen Erwachsene, die mit ihnen über Sexualität sprechen und ihr Interesse an sexuellen Fragen aufgreifen. Denn kindliche Unwissenheit über Sexualität kann leicht von Tätern und Täterinnen ausgenutzt werden. Zudem fällt es Mädchen und Jungen leichter, über sexuelle Übergriffe zu sprechen, wenn sie die Begriffe für Geschlechtsteile und sexuelle Vorgänge kennen. Aber auch für Jugendliche, die ja vor allem mit Gleichaltrigen im direkten Gespräch, im Chat oder mithilfe von Jugendmagazinen ihre sexuellen Fragen klären, ist es wichtig zu wissen, dass sie auf erwachsene Ansprechpartner zurückgreifen können – aber nicht müssen. Auch wenn sie davon womöglich kaum Gebrauch machen, gibt dieses Wissen Sicherheit. Wie wichtig das für Jugendliche ist, unterschätzen die meisten Eltern.

Wenn es Eltern aus persönlichen Gründen schwerfällt, offen über sexuelle Themen zu sprechen, ist es dennoch hilfreich, den Kindern zu vermitteln, dass man die Sexualerziehung in Kindergarten und Schule gutheißt. Auch Hinweise auf geeignete Online-Angebote für Jugendliche, wie etwa die Website www.loveline.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), können sinnvoll sein.

Gefühle sind wichtig

Täter und Täterinnen manipulieren die Gefühle der Betroffenen und die Wahrnehmung der Bezugspersonen. Prävention bedeutet deshalb, die Wahrnehmungsfähigkeit von Mädchen und Jungen zu fördern. Bereits Babys spüren und zeigen, wessen Berührungen und Nähe sie mögen und wessen nicht. Durch einen achtsamen und wertschätzenden Umgang mit Mädchen und Jungen sollte diese Fähigkeit erhalten bleiben und verstärkt werden. Kinder sollten ermutigt werden, ihren Gefühlen nachzuspüren, sie auszudrücken und sich auf sie zu verlassen. Mädchen und Jungen brauchen Ermutigung, wenn es darum geht, auch solche Gefühle zu zeigen, die angeblich nicht zu ihrem Geschlecht passen. Mädchen, die wild und selbstbewusst, Jungen, die auch mal ängstlich und hilflos sein dürfen, sind besser vor Missbrauch geschützt. Dabei gilt: Mütter und Väter, die über ihre eigenen Gefühle sprechen und sie auch authentisch ausdrücken, sind ein wichtiges Vorbild. Zudem sollten Eltern dafür sorgen, dass innerhalb der Familie unterschiedliche Wahrnehmungen und Gefühle zu den gleichen Situationen existieren dürfen. Es ist wichtig, Kinder darin zu bestärken, sich nichts einreden zu lassen und sich auch nicht zu Dingen überreden zu lassen, die ihnen widerstreben.

Mädchen und Jungen dürfen Nein sagen

Damit Kinder und Jugendliche ihr Unbehagen und ihre Abwehr bei sexuellem Missbrauch oder vorbereitenden Übergriffen ausdrücken können, sollten sie in Elternhaus, Schule und auch schon im Kindergarten gelernt haben, dass Erwachsene nicht immer im Recht sind. Die Erfahrung, dass ihr Widerspruch, ihr Nein, nicht einfach übergangen wird und ihre Mitsprache im Familienleben und im Schulalltag Bedeutung hat, ist sehr wichtig. Wer ernst genommen wird, kann auch anderen Menschen gegenüber besser seine eigene Meinung vertreten oder Missfallen und Ablehnung kundtun. Doch Vorsicht: Dieses Recht darf sich nicht gegen die Kinder wenden, indem es zu einer Pflicht gemacht wird. Wird beim Neinsagen zu viel von Mädchen und Jungen erwartet, können schnell Schuldgefühle entstehen.

Über schlechte Geheimnisse dürfen Kinder sprechen

Eltern sollten unnötige Geheimnisse im Familienleben möglichst vermeiden, damit sich Kinder nicht an eine „Geheimniskultur“ gewöhnen. Ein Kind, das daran gewöhnt ist, dass alles Unangenehme durch Stillschweigen und Geheimnis aus der Welt geschafft wird, ist nicht ausreichend irritiert, wenn ein Täter oder eine Täterin versucht, das Kind zur Geheimhaltung zu verleiten. Eltern können von Anfang an ihren Kindern vermitteln, dass es „gute“ und „schlechte“ Geheimnisse gibt. „Gute“ Geheimnisse erkennt man an den guten, schönen, angenehmen Gefühlen, die sie auslösen. „Schlechte“ Geheimnisse verursachen belastende, unangenehme Gefühle. Man erkennt sie auch daran, dass man sie eigentlich gar nicht haben will. Über „schlechte“ Geheimnisse dürfen Kinder reden. Das ist kein Petzen und kein Verrat!

Kinder haben ein Recht auf Hilfe

Damit sich Kinder oder Jugendliche bei Missbrauch jemandem anvertrauen können, brauchen sie die grundlegende Erfahrung, dass sich ihre Eltern für sie und ihre Sorgen und Nöte interessieren. Aber auch ein gutes Vertrauensverhältnis ist keine Garantie dafür, dass ein Kind im Ernstfall über Missbrauch spricht. Der Grund: Viele betroffene Kinder wollen ihre Eltern schonen. Deshalb sollten Mütter und Väter im Alltag zeigen, dass sie Belastungen gewachsen sind und sich selbst Unterstützung holen, wenn sie nicht mehr weiter wissen. Darüber hinaus sollten Eltern vermitteln, dass die Familie kein abgeschlossenes System ist, sondern auch andere Menschen geeignete Vertrauenspersonen sein können. Hier sind vor allem Lehrkräfte und andere pädagogische Fachkräfte gefragt, die durch ihre Umgangsweise mit Mädchen und Jungen vermitteln können, dass sie für Probleme und Nöte immer ein offenes Ohr haben.

Kinder haben keine Schuld

Täter und Täterinnen bauen auf die Loyalität von betroffenen Kindern und Jugendlichen – auf ihr Gefühl, selbst (mit-)verantwortlich für das Geschehen zu sein. Dies gelingt besonders leicht bei Mädchen und Jungen, die gelernt haben, dass sie für die Gefühle von Erwachsenen verantwortlich gemacht werden („Wegen dir habe ich wieder kein Auge zugetan“, „ Wenn du nicht so schwierig wärst, könnten wir eine glückliche Familie sein“). Um dies zu verhindern, sollten Eltern versuchen, einen klaren und gewissenhaften Umgang mit Verantwortung für Handlungen und Gefühle zu finden. Grundsätzlich gilt: Kinder dürfen nicht für den emotionalen Stress ihrer Eltern verantwortlich gemacht werden.

Hilfeportal
Sexueller Missbrauch

MerklisteSeite versenden