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Sexuelle Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen

Sexuelle Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen

Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen wird nicht nur von Erwachsenen verübt, sondern auch in hohem Maße von Jugendlichen. Aber auch schon Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter zeigen sexuell übergriffiges Verhalten in der Familie, der Nachbarschaft, der Kita, der Schule, der Pfarrgemeinde, auf Ferienfreizeiten oder im Sportverein. Die sexuellen Übergriffe sind sehr unterschiedlich in ihrer Intensität, reichen von einmaligen oder weniger intensiven Übergriffen, wie beispielsweise dem Herunterziehen der Turnhose im Sportunterricht, bis hin zu intensiven Übergriffen, wenn beispielsweise ein Mädchen oder Junge gezwungen wird, den Penis eines Jungen zu lecken. Manche sexuellen Übergriffe erinnern in ihrer strategischen Ausführung sogar an Taten von erwachsenen Tätern beziehungsweise Täterinnen. Bei Kindern unter 14 Jahren hat sich der Begriff „sexuell übergriffige Kinder“ durchgesetzt, da man diese nicht als „Täter“ und „Täterinnen“ und ihre Handlungen nicht als „Missbrauch“ kriminalisieren will.

Wie wirken sich sexuelle Übergriffe durch Kinder und Jugendliche auf die Betroffenen aus?

Die Folgen für die betroffenen Mädchen und Jungen sind sehr unterschiedlich und hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab, zum Beispiel wie intensiv der Übergriff und wie groß der Altersunterschied war, aber auch wie ohnmächtig und ausgeliefert sich ein betroffenes Mädchen oder ein betroffener Junge in der Situation fühlte, wie die Beziehung zwischen dem übergriffigen und dem betroffenen Kind beziehungsweise Jugendlichen war. In manchen Fällen sind die Folgen durchaus vergleichbar mit Folgen sexuellen Missbrauchs durch Erwachsene. Ob Mädchen und Jungen sexuelle Übergriffe durch andere Kinder oder Jugendliche ohne Langzeitfolgen verarbeiten können, hängt maßgeblich davon ab, wie frühzeitig Erwachsene die Übergriffe bemerken, einschreiten und die Betroffenen begleiten und unterstützen.

Kinder und Jugendliche, die von sexuell übergriffigem Verhalten durch andere Kinder und Jugendliche betroffen sind, haben ein Recht auf Schutz und Hilfe. Dies kann in einigen Fällen durch pädagogisch angemessenes Reagieren der Fachkräfte erfolgen – gegebenenfalls nach Beratung in einer spezialisierten Fachberatungsstelle. Manchmal benötigen die Mädchen und Jungen eine eigene Beratung durch eine spezialisierte Beratungsstelle, gegebenenfalls auch therapeutische Unterstützung.

Warum werden Kinder und Jugendliche sexuell übergriffig?

Sexuell übergriffiges Verhalten von Kindern und Jugendlichen kann verschiedene Ursachen haben. Eigene (sexuelle) Gewalterfahrungen durch Kinder, Jugendliche oder Erwachsene können – müssen aber nicht – eine Rolle spielen. Manche Kinder und Jugendliche wurden unangemessen mit erwachsener Sexualität in der Familie oder durch pornografisches Material konfrontiert. Unter den übergriffigen Mädchen und vor allem Jungen gibt es auch viele, die andere dominieren wollen und sich mit der Einhaltung von Grenzen schwer tun. Einige versuchen eigene Gefühle von Ohnmacht oder Hilflosigkeit durch sexuell übergriffiges Verhalten zu kompensieren. Bei sehr jungen Kindern ist manchmal noch die fehlende Kontrolle von Impulsen ursächlich.

Massive sexuelle Übergriffe von Jugendlichen und Kindern, die wiederholt stattfinden und die sich nicht durch pädagogische Maßnahmen allein stoppen lassen, können ein Hinweis auf eine Kindeswohlgefährdung des übergriffigen Kindes oder Jugendlichen sein. Pädagogische Fachkräfte sind in diesen Fällen verpflichtet, sich entsprechend § 8 a Sozialgesetzbuch (SGB) VIII fachliche Unterstützung zu holen, auch andere Berufsgruppen, die in beruflichem Kontakt mit Kindern und Jugendlichen stehen, haben einen Anspruch auf diese Unterstützung (§ 8 b SGB VIII).

Sexuell übergriffige Jungen und Mädchen haben ein Recht auf Hilfe! Um ihr übergriffiges Verhalten zu beenden und die dahinterliegenden Ursachen zu bearbeiten, brauchen sie qualifizierte pädagogische Fachkräfte, aber auch spezialisierte Beratungs- und Behandlungsangebote.

Sind kindliche „Doktorspiele“ bedenklich?

Nein, sexuelle Neugier und Erkundungen des eigenen Körpers und des Körpers anderer Kinder gehören zur gesunden sexuellen Entwicklung von Mädchen und Jungen. Es ist sinnvoll, mit Kindern über Grenzen und Regeln zu sprechen, um sexuelle Übergriffe, aber auch unbeabsichtigte Verletzungen zu verhindern. Ein generelles Verbot von „Doktorspielen“ erhöht die Gefahr, dass Kinder mit Übergriffserfahrungen allein bleiben. Auch einverständliche sexuelle Handlungen unter etwa gleichaltrigen Jugendlichen stellen natürlich keine sexuelle Gewalt dar. Allerdings ist der Übergang von einverständlicher Sexualität zum Übergriff manchmal schwer einzuschätzen. Die Einschätzung sollte sich daran orientieren, dass sich die Beteiligten „auf Augenhöhe“ begegnen, dass beide überhaupt fähig sind zuzustimmen und dass weder Druck noch Zwang ausgeübt werden. Zum Beispiel kann sozialer Druck durch gleichaltrige Jugendliche Mädchen oder Jungen dazu bringen, Handlungen zuzustimmen, bei denen sie sich eigentlich nicht wohlfühlen.

Links und Literatur zum Thema

Literaturhinweise:
Freund, U./Riedel-Breidenstein, D.: Sexuelle Übergriffe unter Kindern. Handbuch zur Prävention und Intervention. Köln: Mebes & Noack 2006.

Kohlhofer, Birgit/Neu, Regina/Sprenger, Nicolaj: E.R.N.S.T. machen: sexuelle Gewalt unter Jugendlichen verhindern. Ein pädagogisches Handbuch. Köln: Mees & Noack 2008. V.

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